Donnerstag, 28 Mai 2015 11:26

Trommelfelle

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Nach über 10jähriger Berufserfahrung als Bodhránbauer, mehr als 5000 gebauten Bodhráns und unzähligen Experimenten mit synthetischen und natürlichen Trommelfellen von verschiedenen Tieren, auch multiplen und kombinierten Fellen, biete ich nun ein umfangreiches, aber ausgewähltes Programm an Trommelfellen für meine Bodhráns an. Gerade das Naturfell haucht jeder Bodhrán aus unserem Hause den ganz eigenen und besonderen Charakter ein. Der Umgang mit Naturfellen erfordert viel Erfahrung, Gefühl und Fachkenntnis, da z.B. die Ziegenhaut schon allein sieben verschiedene Strukturarten hat, die alle verschiedene Eigenschaften besitzen. Das einzige, das noch Jahrzehnte lang von einer Ziege "weiterlebt", also die Haut, suche ich materialbewusst für den jeweils geeigneten Zweck aus und verarbeite es respektvoll, immer im Bewusstsein, dass es sich um ein Lebewesen gehandelt hat.

 

Die Ziegenfelle werden für den jeweiligen Verwendungszweck sortiert und nach einem altbewährten biologischen Prozess von Hand entfleischt und enthaart. Anschließend erfolgt eine sanfte Trocknung. Durch diese schonende Behandlung wird die Haut nicht verletzt und es bleiben keine Chemikalien enthalten.

Der umweltfreundliche Arbeitsvorgang dauert etwa 2-3 Wochen, doch dieser Mehraufwand zur "üblichen" Fellbearbeitung garantiert dauerhafte und höchste Trommelfellqualität. Die hier beschriebenen Trommelfelle haben alle eines gemeinsam: sie werden durch das Einspielen immer besser und ausgewogener im Klang. Ich werde immer wieder nach dem Thema „Anthrax" gefragt. Ja, in den letzten Jahren gab es tatsächlich immer wieder Meldungen über Fälle von Anthrax (Milzbrand) ausgelöst durch unsachgemäße Verarbeitung von Ziegentrommelfellen. Soweit ich informiert bin, gab es in einigen Ländern sogar Importverbote bzw. erschwerte Einfuhrbestimmungen von Trommelfellen, vor allem aus Afrika. Dies zeigt aber nur, dass es eben wie bei allen Dingen nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Qualität ankommt. Gerade bei so sensiblen Produkten wie Tierhäuten. Dies soll auf keinen Fall heißen, dass afrikanische Ziegenfelle generell gefährdet sind, nur berufe ich mich persönlich gerne auf die kontrollierte Herkunft meiner Ziegen.Unsere Trommelfelle werden von einem erfahrenen Gerber hergestellt, bei dem Reinlichkeit und Sauberkeit an erster Stelle stehen. Der Betrieb kann auf eine über 600jährige Gerbertradition zurückblicken. Für unsere Bodhráns werden ausschließlich Trommelfelle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verwendet, vorwiegend Schweizer Bergziege. Jede Ziege wird bei der Geburt innerhalb von 48 Stunden den Behörden gemeldet, bekommt eine Marke ans Ohr und wird ihr Leben lang tierärztlich kontrolliert. Die Behörden wissen zu jeder Zeit, in welchem Betrieb die Ziege steht, wie alt sie ist und ob sie gesund ist. Auf diese Weise ist die Herkunft unserer Trommelfelle eindeutig nachweisbar und höchste Qualität ist garantiert. Das ist meinem Gerber und mir natürlich extrem wichtig, da wir die Ersten sind, die mit den Tierhäuten in Berühung kommen. Höchste Sicherheit diesbezüglich ist also gewährleistet, so können unsere Ziegenfelle bedenkenlos sogar in Kindergärten und Schulen eingesetzt werden.Die von mir verwendeten Ziegenfelle werden exklusiv für mich nach meinen Vorgaben hergestellt.

Je nach Bodhránbaureihe bieten wir verschieden bearbeitete Trommelfelle an:

 



STANDARDFELL

Dies ist unser „Universalfell" das vor allem bei der „LightLine" und „BasicLine" zum Einsatz kam (LL und BL werden seit 4/2012 nicht mehr gebaut) und ist das Ausgangsprodukt für unser "Edlauer Select" CoreLine Fell und DRAGONSkin. Umweltfreundlich hergestellt, flexibel, großes Klangspektrum, relativ stimmunanfällig. Wie bereits erwähnt, bedarf es einiger Einspielzeit bis sich der volle Klang entfaltet. Aber schon nach wenigen Spieltagen merkt man deutliche Fortschritte. Dieses Fell zeichnet sich vor allem durch seine Zuverlässigkeit und Langlebigkeit aus, da keine chemischen Rückstände und keine tierischen Fette im Fell enthalten sind. Ein Reißen des Fells bei normaler Beanspruchung ist praktisch unmöglich. Ein Trommelfell auf hohem Standard in höchster Verarbeitungsqualität.

Der Name "Standardfell" mag sich vielleicht nach 08/15 anhören, ist aber genau das Gegenteil. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen vielleicht irreführenden Namen ändern soll, habe mich aber dagegen entschieden, weil sich dieser Name inzwischen einfach eingebürgert hat. Da der Standard bei Hedwitschak Bodhráns sowiso sehr hoch ist, kann ich gut mit diesem Namen leben. ;-)

 

EDLAUER SELECT 

Seit über zehn Jahren verwende ich ausschließlich 
(einzige Ausnahme sind die Lambegfelle für die RolfWagelsEdition)
Tommelfelle von Werner Edlauer. Er ist auch der Mann hinter 
"DRAGONSkin" und zweifellos einer der besten 
Trommelfellhersteller weltweit. Zusammen haben wir in den 
letzen Jahren spezielle Trommelfelle für meine Bodhráns entwickelt. 
Die neuen "Edlauer Select" Premium Trommelfelle 
sind speziell für die CoreLine Serie ausgesuche Ziegenfelle 
und werden in einem einzigartigen Verfahren exklusiv
für Hedwitschak Drums hergestellt.
 Von mir werden wiederum die passenden Fellbereiche für 
die jeweiligen CoreLine Modelle selektiert. 
Diese Trommelfelle zeichnen sich durch ihre harmonische 
Klangfarbe, Flexibilität, leichte Fellhandansprache, 
sauberes Schwingungsverhalten, leichte Tonmodulation, 
Zuverlässigkeit in praktisch allen Klimazonen 
und ihre auffallende Stimmstabilität aus. Ein erstklassiges Trommelfell. 
Für eine herausragende Bodhránlinie!

 

DRAGONSKIN

Hierbei handelt es sich um ein speziell bearbeitetes „Standardfell", das nach unserem selbstentwickelten Spezialverfahren veredelt wird. Nur die homogensten und auch optisch schönsten Standardfelle werden hierfür ausgesucht. DRAGONSkin ist ein Trommelfell, das von vornherein wie ein gut eingespieltes Bodhránfell klingt, aber noch etwas bietet, das sich kaum mit Worten beschreiben lässt, ein gewisses Etwas. Der Klangcharakter lässt sich am besten so beschreiben: lebhaft, harmonisch, klare Höhen, cremige Mitten und ein fetter Bass. Es reagiert auf die leichtesten Berührungen mit der Fellhand und hat ein sehr breites Klangspektrum. Verglichen mit den bekannten Lambegfellen aus Nordirland hat es einen sanfteren Anschlag. DRAGONSkin ist eine eingetragene Marke ! (TM) 

Nach über drei Jahren DRAGONSkin habe ich mich entschlossen, noch genauer zwischen den Fellen zu unterscheiden und möchte deswegen drei Varianten anbieten. Zwar sind die Unterschiede von Fell zu Fell relativ gering, da wir die Felle sehr homogen auswählen und eine Serie immer von ein und der selben Ziegenherde ist, aber dennoch sind hörbare und fühlbare Unterschiede vorhanden, die vor allem erfahrene Bodhránspieler interessieren. Wir bieten DRAGONSkin nun in folgenden Ausführungen an:

DRAGONSkin classic: Dies ist das „normale" DRAGONSkin mit mittlerer Dicke und Härte. Das meistbestellte und universell einsetzbare HighEnd-Trommelfell mit dem typisch cremigen Klang. Mit diesem Fell können auch unerfahrene Spieler nicht daneben liegen. Von der Session bis auf die Bühne, vom „Stäbchen-tipper" bis zum Hotrod.

DRAGONSkin velvet: „Normale" DRAGONSkin-Verarbeitung, jedoch werden hier die eher dünneren und weicheren Felle, meist von jüngeren Tieren verwendet. Diese Felle sind sehr soft und geben einen sehr sanften, samtigen Klang. Vor allem für „Basslinienspieler" und für Begleitungen von „Nur-Stimme-und-Bodhrán" Liedern wunderbar geeignet. Auch für spirituelle und schamanische Techniken werden diese Felle gerne eingesetzt.

DRAGONSkin spicy: Hierfür werden dickere Felle von meist männlichen und etwas ältern Tieren (ca. 3-7 Jahre alt) verwendet, die dann auf mittlere Dicke zurückgeschliffen werden. Somit ist der Anteil der härteren äußeren Hautschicht größer. Außerdem wird die Intensität der DRAGONSkin-Prozedur verkürzt. Das Ergebnis ist ein DRAGONSkin mit härterem Anschlag, mehr Durchsetzungsvermögen auch bei lauteren Sessions, aber dennoch mit dem typischen cremigen DRAGONSkin-Sound. Lucy Randall spielt hier auf einem der allerersten DRAGONSkinspicy: Youtube. An dieser Stelle Vielen Dank an die österreichische Firma beatfactory.at für die freundliche Genehmigung der Namensnutzung "spicy" ! Hervorragende Djemben und allerei Percussionbedarf der Marke "spicy instruments" findet man hier !

 

ORIGINAL "LAMBEGFELLE" AUS NORDIRLAND

Diese Felle stammen nicht aus eigener Produktion, sondern werden aus Nordirland zugekauft. Wir beziehen die Felle ausschließlich von zwei Herstellern mit denen wir schon seit Jahren in Geschäftskontakt sind: Frank Orr und Thomas Louden. Beide sind wahre Meister Ihres Fachs und zwei der letzten Hersteller dieser bekannten Trommelfelle, die nach alter Gerbertraditon gefertigt werden. Die lebende Legende unter den Bodhránbauern Seamus O´Kane hat die Lambegfelle auf der Bodhrán bekannt gemacht. Der Name der Trommelfelle kommt von den großen Lambegtrommeln, die ihren Namen dem Ort „Lambeg" in Nordirland verdanken. Es war Rolf Wagels' besonderer Wunsch, diese Felle für seine „RolfWagelsEdition" („RWE") Bodhrán zu verwenden und so verbauen wir diese Felle exklusiv für diese Sonderserie, die nur bei Rolf Wagels erhältlich ist. Rolf Wagels' Website.

 

 

TWINSKIN

TwinSkin ist ein von mir entwickeltes, völlig neuartiges Spezialtrommelfell, das aus zwei oder mehr einzelnen Trommelfellschichten nach Kundenwunsch gefertigt wird.

Dies hat nichts mit "doubleskin" oder "zusammengeklebten Fellen" oder herkömmlichen laminierten Fellen zu tun.

Das Besondere an TwinSkin ist, dass es sich wie ein Einzelfell anfühlt, aussieht und sich auch beim Spielen so verhält.

Die Vorteile von TwinSkin:

  • Viel weniger stimmanfällig als ein "normales" Einfachfell
  • TwinSkin kann nach Kundenwunsch aus verschiedenen Fellkombinatinen zusammengesetzt werden. Z.B. DRAGONSkinvelvet innen, DRAGONSkinspicy außen.
  • Es können Felleigenschaften erzielt werden, die ein einzelnes Naturfell nicht bieten kann. Z.B. ein sehr weiches, flexibles Fell mit überdurchschnittlich hartem Anschlaggeräusch.
  • Es können Fellringe oder Patches ZWISCHEN dem Trommelfell eingearbeitet werden.
  • Extrem lange Lebenszeit. Vor allem für Spieler mit agressivem Handschweiß ist dies eine echte Option !

 

Die Entwicklungszeit von TwinSkin hat bereits 2005 begonnen, jedoch war das Problem immer die mangelnde Flexibilität des Fells. 2008 habe ich dann weitere verbesserte Prototypen gebaut, im Jahr 2009 verbessert und seit Anfang 2010 sind einige Versuchstrommeln "in der Welt draußen". Stefan Klug von Fiddler´s Green testet eine der ersten wirklich brauchbaeren TwinSkins nun schon über ein Jahr und das Ergebnis ist faszinierend gut ! Inzwischen ist TwinSkin zur Produktreife gelangt. Seit Einführung dieser neuen Website am 1.1.2011 biete ich nun TwinSkin als Option bei Sonderanfertigungstrommeln an.

Sollten Sie ernsthaft an einem TwinSkin interessiert sein, schreiben Sie mir bitte eine Email.

 




FAQ

 

"Oh, da ist ein Loch in meinem Trommelfell !"

 Natürlich versuchen wir bei der Fellauswahl sämtliche "Fehlerstellen" auszusortieren. Es sei jedoch erwähnt, dass es bei der Ziegenhaut keine "Laufmaschen" gibt. Da es sich bei der Naturhaut um einen wertvollen Rohstoff handelt, können und möchten wir nicht jeden optischen "Makel" wegwerfen. Sogenannte "pinholes" (kleine, stecknadelkopfgroße Löcher mit dickerem Rand außenrum), Narben, dunklere,  transparente oder etwas dünnere oder dickere Stellen im Fell sind naturgegeben und keinesfalls ein Reklamationsgrund. Wenn ich Felle mit solchen Bereichen verwende, dann nur, wenn ich sie für absolut unbedenklich halte. Vertrauen Sie meiner Erfahrung und sehen Sie diese Bereiche als spielerische Besonderheit und Beweis dafür, dass es sich um ein wertvolles Naturprodukt handelt."Eine Narbe ist kein Makel, sondern der Beweis für eine besonders tapfere Ziege !"  


„Wie lange hält so ein Fell ?"

Grundsätzlich hängt das vom Spieler ab. Bei guter, gefühlvoller Behandlung lebt ein Bodhránfell aus unserem Hause Jahrzehnte. Das heißt nicht, dass das Fell speziell gepflegt werden muss. Kein Öl, kein Fett, keine Sattelseife sind nötig, um es zu pflegen. Einfach nur spielen. Und immer in „normaler Spielfellspannung" lassen. Nicht nach dem Spielen völlig entspannen ! Aber auch nicht bei hoher Fellspannung im heißen Auto lassen. Mit der Zeit bekommt der geübte Bodhránspieler ein Gefühl für sein Instrument und weiß, was ihm gut tut.

Zum Säubern der Fellaußenseite emfehle ich Kamelienöl (pflanzliches, säurefreies, nicht verklebendes Öl) aus der Apotheke.

Das Einzige, das nach einer längeren Spielzeit nötig bzw. sinnvoll werden kann, ist ein, wie ich es gerne nenne „SkinReset":

Das kann der erfahrene Spieler selbst machen, aber ich biete es auch in meiner Werkstatt an: Hierbei wird das Tape entfernt, die Trommel entspannt, gewässert, langsam getrocknet, neu getaped und innen mit 600er Schleifpapier geglättet. Bei der Prozedur verspannt sich das Fell neu und wird wieder homogener. Vor allem bei Spielern, die vorwiegend auf ein und der selben Stelle spielen, kann das Fell nicht mehr gleichmäßig schwingen, da unterschiedlich bespielte Bereiche auf dem Trommelfell entstehen. Der „SkinReset" wirkt hier wahre Wunder.

Bei neuen Trommeln ist zu beachten, dass manche Felle am Anfang zum „Nachziehen" neigen. Deswegen bitte wie oben bereits erwähnt niemals nach dem Spielen die Trommel ganz entspannen, sondern immer in normaler Spielspannung belassen. Es könnte sonst passieren, daß nach einiger Zeit selbst im ganz entspannten Stimmrahmenzustand das Fell zu straff gespannt ist.

Eine andere Sache ist das „Ausleiern" des Fells. Vor allem Spieler, die bei relativ hoher Fellspannung spielen, werden beobachten, dass der Abstand zwischen Verstellerunterkante und Stimmrahmen unter Umständen im Laufe der Zeit etwas größer wird, manchmal entsteht sogar ein Spalt zwischen Stimmrahmen und Hauptrahmen. Diese Tendenz ist von Fell zu Fell unterschiedlich. Manche Felle leiern überhaupt nicht aus, einige am Anfang etwas und dann gar nicht mehr und wieder andere Felle immer ein bisschen über die Jahre. Das ist eine völlig normale Sache bei Naturfellen und nicht weiter schlimm. Der Klang wird dadurch nicht beeinflusst. Außerdem besteht die Möglichkeit, bei meinen HighEndLine Bodhráns den Zwischenrahmen zu versetzen. Auf diese Weise verschwindet der sichtbare Spalt wieder und die Trommel sieht aus wie neu.

Im Großen und Ganzen lassen sich alle Pflegehinweise auf eine simple Sache reduzieren: Versuchen Sie ein Gefühl für Ihr Instrument zu entwickeln und behandeln Sie es respektvoll, dann werden Sie viele Jahre Freude und Spaß damit haben. Lassen Sie sich auf die Besonderheiten Ihrer Bodhrán ein und nutzen Sie diese im Spiel. 

In meiner Zeit als Bodhránmaker habe ich keinen anderen Satz gehört, der so wahr ist, wie dieser:

Nicht der Spieler sucht sich die Trommel aus – die Trommel sucht sich den Spieler aus !


-- Marie Sullivan, USA


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